Friday, November 20, 2009

Henry soll gesperrt werden?

Fussball ist komisch geworden. Jedenfalls seit dem WM-Barrage Spiel Frankreich-Irland vom letzten Mittwoch. Dass das Tor von Thierry Henry irregulär war, mag selbst ich nicht bestreiten; aber die medialen Reaktionen befremden mich als langjährigen Fussballliebhaber:

Thierry Henry wird als Betrüger hingestellt:

Was Thierry Henry gemacht hat, passiert jedes Wochenende auf tausenden von Fussballplätzen. Mit allen möglichen erlaubten und unerlaubten Mitteln wird versucht ein Tor zu erzielen, bzw. eines zu verhindern. Und so lange der Schiedsrichter nicht pfeifft, wird weitergespielt; von der 5.Liga bis in in die Super League ist das überall so. Was hätte also Henry also nach dem Tor machen sollen? Zum Schiedsrichter gehen und sagen, er soll das Tor annulieren? Habe noch nie gesehen, dass so etwas vorgekommen ist. Und würde mich auch befremden; der Schiedsrichter ist schliesslich dazu da, die Grenzen zu setzen, da braucht es keine Selbstjustiz jedes einzelnen Spielers.


Ein Wiederholungsspiel wird gefordert:

Eine hirnrissige Idee. Würde in diesem Fall ein Wiederholungsspiel bewillgt, würde das die gesamte bisherige Fussballkultur verändern. Wie in einem mehrinstanzlichen Gerichtsverfahren könnte jedes Fussballspiel hinterfragt, neu beurteilt und eben wiederholt werden. Die Begründung, dass nur bei klaren Fehlentscheiden ein Spiel wiederholt wird, ist meines Erachtens ebenso falsch, weil man da auch irgendwie eruiren müsste (in einem nachträglichen Verfahren), was jetzt ein klarer Fehlentscheid ist oder nicht.


Mit dem Videobeweis wäre dies nicht passiert:

Technische Hilfsmittel zur Unterstützung der Schiedsrichter sind durchaus eine Ueberlegung wert. So wäre bspw. ein zusätzlicher Schiedsrichter hinter einem Bildschirm durchaus vorstellbar. Ich bin persönlich gegen diese Massnahme, da ich ohne Probleme mit Fehlern (von Spielern und Schiedsrichtern) leben kann. Man sollte sich wieder vermehrt in Erinnerung rufen, dass es sich beim Sport Fussball um eine Spiel handelt, auch wenn viel Geld dahinter steckt; d.h. es soll Spass machen, es ist Glück und Pech dabei. Die ganze Sache hat eine Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit erreicht, die der ganzen Sache nicht gerecht wird: 22 Spieler rennen einem Ball nach und versuchen Tore zu erzielen, will heissen, es geht nicht um Leben und Tod wie mancherorts suggeriert wird.


Der Schiedsrichter ist schuld:

Der Schiedsrichter hat's nicht gesehen. Klar, es wäre besser, er hätte es gesehen; aber ich würde behaupten, der Grossteil derjenigen, die jetzt über den Schiedsrichter herziehen, haben das Handspiel (ohne Zeitlupenwiederholung) auch nicht gesehen. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: es ist nicht ganz einfach. Erstens passieren all diese Aktionen im Spiel unglaublich schnell, und zweitens ist man als Schiedsrichter praktisch chancenlos, wenn einer im entscheidenenden Augenblick vor dem Blickfeld durchrennt. Was mich zudem stört: dass die Iren zuvor im Spiel zwei hochkarätige Chancen ausgelassen haben, scheint kaum mehr jemand zu interessieren.


Den Iren hätt ich es mehr gegönnt:

Irgendwie scheint in der Schweiz das David-gegen-Goliath-Syndrom (oder ein sont mir unbekanntes Syndrom) sehr ausgeprägt zu sein. Den Franzosen und insbesondere den Deutschen mag man den Erfolg irgendwie nicht gönnen. Man spricht die gleiche Sprache, man ist sich sehr ähnlich...aber trotzdem scheint man mehr innerliche
Fussballseelenverwandtschaft mit Ländern wie Irland oder Holland zu verspüren.


Zuletzt noch dies: was die Franzosen in der gesamten WM-Qualifikation geboten haben, war aufgrund ihres Spieler-Potentials schlicht katastrophal. Wer sich von irischen Fussballern, die teilweise irgendwo in der britischen Provinz spielen, zuhause schlagen lässt, gehört eigentlich nicht an die Fussball-WM.

Wednesday, November 04, 2009

Gastrokritik: Pizzeria Orso Neuenegg

Letzten Freitag hatte ich die Gelegenheit mit den Kollegen Aeby und Randal die neu eröffnete Pizzeria Orso (umgangssprachlich auch "CDP" genannt) in Neuenegg zu besuchen, und möchte es nun nicht unterlassen, einen kurzen Erfahrungsbericht ins Netz zu stellen:

Essen:

Sowohl der gemischte Salat als auch die "Pizza Spezial", welche ich bestellt hatte, waren sehr gut. Auszusetzen gab's eigentlich nichts. Gar als Highlight würde ich die Bruschetta (mit fein gehackten Tomaten, Knoblauch und Zwiebeln) bezeichnen, welche Randal als Vorspeise bestellt hatte und von der ich probieren durfte. Negativpunkt war allerdings die Dessertkarte, welche nur Glacen zur Auswahl hatte. Denn auch wenn's etwas klischeehaft wirkt, mindestens ein Tiramisu gehört in einer Pizzeria einfach ins Angebot.


Service:

Der Service war ok. Allerdings hatte man immer das Gefühl, dem Kellner nachrennen zu müssen, wenn man etwas von ihm wollte. Dies war auch mit ein Grund warum wir kein Dessert mehr bestellten.


Ambiente:

Das Licht war definitiv zu hell. Die Farben des Interieurs wurden zwar liebvoll ausgesucht, das grelle Licht liess diese aber gar nicht erst richtig zur Geltung kommen. Das wir 3 Jungs waren, spielte dies nicht so eine Rolle; aber für ein romantisches Tête-à-Tête würde ich das Lokal so nicht empfehlen. Auch schien mir das gesamte Interieur noch etwas karg. Ich bin zwar kein Freund von übermässig dekorativen Elementen, aber so ein paar schöne Bilder oder ein Pflänzchen, oder gar eine Kerze auf dem Tisch würde das Ambiente aufwerten.


Preise:

Die Preise fand ich moderat und gerechtfertigt. Das Preisniveau lag klar unter dem einer städtischen Pizzeria, was allerdings auch erwartet werden darf.


Bei aller Kritik war doch der Eindruck mehrheitlich positiv. Zudem sollte man nicht vergessen, dass die Pizzeria erst gerade eröffnet worden ist und somit berechtigerweise noch einige "Kinderkrankheiten" aufweist.

Thursday, October 15, 2009

"In der Holzklasse nach Südafrika"

Mittlerweile ist eine WM- oder EM- Qualifikation der Schweizer Fussballnationalmannschaft schon fast zur Gewohnheit geworden. Offenbar so sehr, dass in der Basler Zeitung tatsächlich der Titel prangte:

"In der Holzklasse nach Südafrika"

Ohne den Artikel dazu gelesen zu haben - der dazugehörige Journalist hat etwas nicht begriffen:

- im Fussball - und in den meisten anderen Sportarten auch - ist nicht der Weg das Ziel. Ob ein Sieg herausgeknorzt oder erzaubert wurde, spielt grundsätzlich keine Rolle. Oder anders gesagt: ob jemand den Penalty an den Innenpfosten oder aufs Stadiondach hämmert, kommt auf's gleiche raus. Knapp daneben ist eben auch daneben.

- die einzige Mannschaft, welche Südafrika nicht in der "Holzklasse" erreicht hat, ist Spanien (10 Spiele - 30 Punkte). Alle anderen (inkl. Mehrfachweltmeister wie Italien, Argentinien oder Deutschland) haben sich irgendwie durchgemogelt, insbesondere mit Unentschieden gegen Mannschaften wie Finnland oder Georgien.

- diverse "Fussballgrossmächte" mit aktuellen und ehemaligen Weltfussballern in ihren Reihen wie Frankreich, oder Portugal kämpfen nach wie vor mit der Qualifikation zur WM und müssen insbesondere noch eine Barrage-Ehrenrunde in Ländern wie Bosnien-Herzegowina oder der Ukraine drehen.

- viele mit der Schweiz vergleichbare Länder waren von der Qualifikation meilenweit entfernt. So hatten bspw. Belgien, Rumänien oder Oesterreich nicht den Hauch einer Chance in ihren Qualifikationsgruppen.

Monday, September 28, 2009

FAQ: Verhaftung von Roman Polanski

Nachdem ich gestern von der Verhaftung von Roman Polanski gehört habe, wusste ich nicht recht, ob ich das jetzt gut oder schlecht finden würde. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen um die Verhaftung sollen dabei Aufkärung schaffen:

Ist die Verhaftung ein Riesenskandal?

Nein; wer die Verhaftung eines ehemaligen Vergewaltigers (oder je nach Definition Verführers einer Minderjährigen) als Skandal betrachtet, hat merkwürdige Wertvorstellungen.


Warum hat man Polanski überhaupt verhaftet?

Es besteht ein Rechtshilfevertrag mit den USA und gestützt auf diesen wurde ein Haftbefehl entlassen. Somit hat die Schweiz schlicht ihren Staatsvertrag eingehalten. Merkwürdigerweise stehen diejenigen Kreise, welche Polanski lieber nicht verhaftet, und diesen Rechtshilfevertrag somit lieber missachtet hätten, sonst eigentlich vehement für die Einhaltung von völkerrechtlichen Verbindlichkeiten der Schweiz ein.


Warum mischt man sich in amerikanische Angelegenheiten ein?

Wie gesagt, hält sich die Schweiz nur an ihren Vertrag und mischt sich somit nicht in amerikanische Angelegenheiten ein. Der Rechtshilfeprozess ist kein Strafprozess, sondern nur ein Verwaltungsverfahren, damit der Staat, wo das Verbrechen begangen wurde, überhaupt ein ordentlicher Prozess machen kann. Im Gegenteil: wer Schwerverbrecher (wie in Vergangenheit bspw. Perus ex-Staatschef Fujimori) nicht ausliefert, entzieht diese ihrer gerechten Strafe, was dann tatsächlich als Einmischung in ausserstaatliche Belange angesehen werden kann.


Ist Polanski überhaupt schuldig? Gab doch soviele Ungereimtheiten in dieser Geschichte...

Ja, das sollte man endlich mal herausfinden. Damit die amerikanischen Gerichte dies tun können, muss Polanski ausgeliefert werden. Und auch wenn das damalige Geständnis Polanskis kein 100%-Beweis darstellt, ist es doch ein starkes Indiz, dass Polanski, das Ganze getan habe könnte. Aber wie erwähnt: inwiefern Polanski schuldig ist und welches Strafmass er erhalten wird, ist nicht Sache des Rechtshilfeverfahrens und somit nicht des Schweizer Richters. Dieser wird nur ein ordentliches Rechtshilfeverfahren in der Schweiz garantieren.


Ist die ganze Sache nicht längst verjährt?

Nein, meines Wissens ist eine solche Straftat in den USA unverjährbar. Da die Tat in den USA begangen wurde, ist dies auch das entscheidende Kriterium.


Warum hat Frankreich den nicht längstens ausgeliefert?

Weil im Rechtshilfevertrag von Frankreich mit den USA ein Passus drin ist, dass eigene Staatsbürger (und dazu gehört Polanski) nicht ausgeliefert werden.


Wenn man Polanski ausliefert, hätte man Ospel auch schon lange ausliefern sollen..

Der gleiche Passus ist auch beim Schweizer Rechtshilfevertrag drin.


Das Opfer will ja gar keine Bestrafung mehr von Polanski...

In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Polanski für die Aussage des Opfers eine Stange Geld locker gemacht haben soll. Ebenfalls sollte man wissen, dass der amerikanische Stafprozess im Gegensatz zum schweizerischen Strafprozess den Parteien viel mehr Verhandlungsspielraum übrig lässt. Will heissen, wer auf freien Fuss gesetzt wird, ist nicht zwingenderweise unschuldig (wie dies bei uns üblicherweise der Fall ist), sondern hat unter Umständen schlicht ein gut gefülltes Bankkonto.

Ist Jack Nicholson nicht auch noch irgendwie strafbar? In seinem Haus hat sich ja das Ganze ereignet?

Gut möglich. Höchste Zeit also, dass der Gerichtsprozess bald stattfindet.


Hätte die Schweiz nicht aus der Ghaddafi-Äffäre lernen können?

Hoffentlich hat die Schweiz aus der Ghaddafi-Geschichte gelernt. Allerdings liegen im Fall Polanski die Dinge ganz anders, und die beiden Fälle sind kaum zu vergleichen. Bei Ghaddafi hatte die Genfer Polizei einen Ermessensspielraum; es lässt sich deshalb diskutieren, ob die Genfer Polizei sinnvoll (und rechtmässig) gehandelt hat. Beim Fall Polanski sehe ich keinen Ermessensspielraum für die Behörden.


Warum erst jetzt?

Ja diese Frage ist interessant, allerdings nicht unbedingt rechtlich (ein unrechtmässiger Zustand wird im Einzelfall nicht rechtmässig, wenn er einfach genug lange besteht...). Trotzdem stellt sich aber die Frage, warum, die Behörden nicht einfach schon mal in Polanskis Chalet in Gstaad zugegriffen haben? Ich denke, die Schweiz hatte wohl schlichtweg kein Interesse an einer riesigen öffentlichkeitswirksamen Polizeiaktion in Gstaad, um ein Problem zu lösen, das grundsätzlich der USA ihre Sache ist. Bei einer genau terminierten Ankunft am Flughafen blieb der Schweiz fast nichts anderes übrig. Diese Tatsache verkleinert die politische Angriffsfläche für die Schweiz, welche schon so gross genug ist.

Zum Schluss möchte ich trotzdem anmerken, dass ich zwar erst 2 Filme Polanskis gesehen habe, diese aber schlicht genial finde. Leider tut dies nichts zur ganzen Sache. Für mich bleibt so die Festnahme Polanskis ein Verwaltungsakt mit tragischen Folgen. Diskutabel bleibt aber die Wirksamkeit und Gerechtigkeit des amerikanischen Strafrechts und und noch viel mehr dessen Vollzug...

Wednesday, July 01, 2009

5 Schiedsrichter - Bieridee von Blatter?

Da die Besucherzahlen meines Blogs gegen den absoluten Nullpunkt tendieren, gibt's heute wieder mal ein Artikel. Wieder mal Thema Fussball, wieder mal Thema Schiedsrichter:

"Gleich in der Premieren-Saison der Europa League werden in der kommenden Spielzeit zwei weitere Schiedsrichter-Gehilfen eingesetzt und die Anzahl der Referees damit auf fünf erhöht. Umstrittene Wembley-Tore sollen damit der Vergangenheit angehören."

http://de.eurosport.yahoo.com/01062009/30/revolution-5-schiedsrichter-europa-league.html

Der Gedanke ist dahinter ist ja nicht schlecht: Spiele sollen nicht durch Fehlentscheidungen des Schiedsrichters entschieden werden, sondern durch spielerische Klasse. Trotzdem bleiben bei dieser "revolutionären" Massnahme viele Punkte unklar:

1. Wie genau der Entscheidungsprozess bei der FIFA (oder UEFA, oder was auch immer...) über die Einführung einer solchen Massnahme abläuft, bleibt dem Aussentstehenden einmal mehr unklar. Logischerweise müssten bei diesem Prozess alle Beteiligten (v.a. Spieler/Spielervertreter, Schiedsrichter, etc.) dabei sein, und demokratisch die neue Massnahme beschliessen können. In der Realität scheint dagegen ein allmächtiger Alleinherrscher im Pensionsalter alle Entscheidungen selbst zu treffen.....

2. Sogenannte Wembley-Tore sollen verhindert werden. Will heissen, mit nahezu 100%-Sicherheit soll entschieden werden können, ob der Ball die Torlinie in ganzem Umfang überschritten hat oder nicht. Dieses Ziel erreicht man garantiert nicht durch einen Schiedsrichter der sich hinter dem Tor bzw. hinter der Torlinie befindet, wie dies vorgesehen ist. Wenn schon wäre dies möglich durch einen Torrichter, der sich seitlich genau auf Höhe der Torlinie befindet und so den optimalen seitlichen Einblick hat. Viel einfacher und viel weniger fehleranfällig wären allerdings 2 Kameras (oder sonstige technische Hilfsmittel) seitlich auf Höhe der Torlinie.

3. Fussball ist nicht Eishockey. Strittige Entscheidungen, ob der Ball im Tor war oder nicht, gibt es im Fussball weitaus seltener. Nach eigener Erfahrung würde ich sagen allerhöchstens in jedem 10. Spiel. Umso mehr würde sich eine technische Lösung aufdrängen. Die zwei zusätzlichen Schiedsrichtern wären sonst wie 2 Jäger, die jeden Tag auf die Jagd gehen mit dem Wissen, dass alle 2 Jahre mal irgendein Zwerghase vor der Flinte durchläuft. Und ob dann genau im entscheidenden Moment die Konzentration auf dem geforderten Höchstniveau ist, wage ich zu bezweifeln...

4. Der grosse Anteil der entscheidenden Schiedsrichterfehler betrifft das Abseits und die Fouls/Handspiele (insb. im Strafraum). Für glasklare Fouls im Strafraum könnten die beiden Torrichter durchaus eine Hilfe sein. Die Mehrheit der strittigen Fouls/Handspiele sind allerdings Ermessensentscheide, insbesondere weil beim Spieler eine Absicht hinter dem Foul und vor allem hinter dem Handspiel stecken muss. Eine solche Ermessensentscheidung kann letztendlich nur einer treffen.


Fazit: ich bin auch dafür, dass man die Fehlentscheidungen des Schiedsrichters minimiert, ob allerdings diese Massnahme viel dazu beiträgt, würde ich bezweifeln. Ebenso bin ich nicht gegen die Einführung von Videobeweisen bei Fussballspielen. Man muss sich aber bewusst sein, dass damit die Probleme nicht automatisch gelöst sind. So gab es im Champions-League Halbfinale Chelsea-Barcelona - dem Spiel mit den wohl umstrittensten Schiedsrichterentscheiden der ganzen Saison - keine einzige Situation, wo man auch nach Konsultation aller möglichen Kameraeinstellungen hätte sagen können, dass die Schiedsrichterentscheidung mit 100%-Sicherheit falsch war. So blieb es bei Aussagen wie: "bei Piqués Handspiel hätten wohl 3 von 4 Schiedsrichtern Penalty gegeben...".

Sunday, March 15, 2009

gelb, rot oder gar nichts?

Wie fast jeder Fussballschiedsrichter wurde ich in meiner über 10jährigen Karriere auch schon mehrmals beschimpft, beleidigt,....nein, verprügelt noch nie...mal hat mir jemand nach dem Spiel seinen Fussballschuh nachgeworfen (das gab dann 10 Spielsperren). Was allerdings immer eine Schwierigkeit bleibt, sei dies als Schieds-/oder Linienrichter ist die Frage: welche Karte für welche Beleidigung? Weil grundsätzlich könnte man wohl in jedem Spiel Dutzende Karten für Reklamationen, etc. ziehen,...was dann allerdings nicht im Sinne des Spiels ist; denn prinzipiell sind gelbe und rote Karten dazu da, die Spieler im laufenden Spiel zu schützen, das heisst, böse und gesundheitsgefährdende Fouls (nicht nur mit einem Freistoss) zu bestrafen.

Wird man allerdings als Schiedsrichter direkt beleidigt, und tut dann gar nichts, verliert man vollends die Autorität. Wie ein Realschullehrer, der zwar Regeln festsetzt, aber bei Missachtung dieser Regeln keine Sanktionen trifft. Das musste selbst ich lernen, mit einem Charakter, der für dieses Metier eigentlich nicht geschaffen ist. So ist mein Massstab bei Reklamationen etwa so:


keine Karte:


emotionale Ausbrüche im Sinne von:


- "...das isch doch gopferdammi nie Offside",...und auch Äusserungen wie: "..du Siech, gsehsch scho nüt"...kann man bei Einmaligkeit durchaus (mit einer Ermahnung) laufen lassen. Denn meistens regt sich da der Spieler/Trainer irgendwie über alles auf,...über den Linienrichter, sich selber, den Mitspieler etc.; und nach paar Minuten ist auch schon alles wieder vergessen.


gelbe Karte:


konkrete Beleidigungen, für die ich (oder als Linienricher dem Schiedsrichter mitteile), die gelbe Karte ziehe, waren eher selten. Für einzelne Wörter gibt's meistens entweder rote Karten, oder gar nichts. Aber wenn einer immer wieder jeden Entscheid permanent kommentiert und kritisiert, ist gelb durchaus angebracht. Für "Depp" gab's mal gelb, und auch für "t'es vraiment un con". Allerdings sehe ich diese beiden Ausdrücke mittlerweile schon mehr als "dunkelgelb"-würdig an.


rote Karte:


Als Schieds-oder Linienrichter gab ich unter anderem bei folgenden Äusserungen rot: "Arschloch", "Wixer", "du bisch doch ä huere verdammte Schissgring" (..ok...der Unterschied zu "t'es vraiment un con" ist relativ minim...), "Schafsecku", "Vaffangulo".....nicht ganz einfach ist's bei rassistischen Ausdrücken (glücklicherweise selten...), "Japse", "Zitronengesicht" gab rot....bei "niac" gab ich gar nichts, da mir der Begriff nicht so bekannt war......ebenfalls nichts bei "Schischue"...(Anspielung auf den Ex-YB-Spieler Shi Jun, noch so irgendwie ein bisschen humorvoll..)....

Tuesday, January 13, 2009

Relativierung des Nahost-Konflikts

Es wird demonstriert, Fahnen gehisst, Facebook-Gruppen gegründet, und keine Tagesschau vergeht, ohne dass über den Nahost-Konflikt berichtet wird. Aber:

- der Gazastreifen ist vernachlässigbar klein, und in grösseren Dimensionen betrachtet, ohne jegliche Bedeutung. Beispielsweise nur etwas grösser als der Bezirk Sense und kleiner als der Bezirk Gruyère.

- in 2 Wochen gab's seit Ende Dezember 900 Tote im Gazastreifen, in Europa sterben im gleichen Zeitraum mehr als doppelt so viele Menschen im Strassenverkehr.

- diverse andere Konflikte in jüngster Vergangenheit waren weitaus tragischer, insbesondere in Afrika. Beispielsweise gab's im Darfur-Konflikt durchschnittlich mehr als 3'000 Tote alle 2 Wochen, und das Ganze schon seit 2003.

(Anmerkung: dies soll den Krieg in Isreal in keiner Weise beschönigen (jeder einzelne Todesfall ist natürlich tragisch), nur den Hype in Gesellschaft und Medien dazu etwas kritisch betrachten).
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