Friday, September 15, 2006

Kampf gegen die Raucher


Als vor ein paar Tagen ein Rauchverbot in Berner Restaurants beschlossen wurde, habe ich mich wieder mal gefragt, warum eigentlich Raucher in den letzten Jahren so unverhältnismässig oft mit Verboten, Preiserhöhungen, etc. in die Enge getrieben wurden?

Klar, Zigaretten sind ohne Zweifel gesundheitsschädigend, aber sind dies nicht viele andere Dinge in unserem Alltag wie Alkohol, SUVs, Smog, ungesunder FastFood auch... warum schützt da der Staat seine Bürger nicht? Weil es grundsätzlich keinem Politiker um die Gesundheit der Staatsbürger geht, oder sonst um irgendwelchen moralischen Werte, sondern schlicht um Eigeninteresse und Profilierungsdrang.

Nehmen wir das Beispiel Alkohol. Bei den Zigaretten wurden die zahlreichen Preiserhöhungen mit dem Argument gerechtfertigt, man wolle die Jugendlichen schützen, nach klassischem ökonomischem Prinzip: je höher der Preis, desto niedriger der Konsum. Doch leider gibt's da noch ein anderes Prinzip: je höher der Preis, desto eher neigt der Konsument dazu, das Gut durch ein billigeres zu ersetzen. Der heutige Jugendliche kann sich also mit 5 CHF keine Zigaretten mehr kaufen, doch dafür umgerechnet etwa 5 Liter Bier, wenn er sich geschickt anstellt. So hat er also 5 Liter Bier in der Birne, keine Zigaretten in der Tasche, und fährt in diesem Zustand auf dem Heimweg noch jemand über den Haufen; Ziel irgendwie nicht erreicht.
Da könnte man ja den Alkohlpreis erhöhen. Doch das geht nicht, weil die Mehrheit der Gesellschaft, insbesondere der Politiker, zwar Nichtraucher aber nicht Anti-Alkoholiker sind. Der Banker trinkt seine Shots in der Kaufleuten-Lounge, der Bauer sein Bier am Stammtisch, der Politiker trinkt seine Gläser Rotwein,... da ist nichts zu machen, Alkohol ist in diesem Lande Kultur, Tradition, Kunst... ganz einfach gesagt, der Raucher hat keine Mehrheit, der Alkoholiker hat sie und wird geschützt, da können noch so viele im Vollrausch durch die Gegend fahren , noch so viel Teenie-Gehirnzellen abgetötet werden..... egal, ein Vollrausch soll sich in diesem Land jeder leisten können.
Das es in Ländern ohne grosse Wein- oder Biertradition auch anders geht, zeigt sich in Schweden: dort wo der Rebberg nicht Weltkulturerbe ist, und die Brauerei nicht unter Heimatschutz steht, gibts Promille nur gegen unanständig viel Geld, und das Ganze in einem Laden mit dem Charme einer Bankfiliale und den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung Neuenegg.

Um zu einem versöhnlichen Fazit zu kommen: ich bin auch Nichtraucher und lade mir auch mal gerne einen, aber trotzdem läuft mit der Politik in Sachen Tabakindustrie etwas falsch. Mein Vorschlag: entweder Zigaretten gesetzlich verbieten (fände ich mittlerweile konsequent, geht aber nicht, weil sonst Steuereinnahmen wegfielen und die Davidoff Swiss Indoors wegen Geldmangels nicht mehr durchgeführt werden könnten..) oder sich auf den Schutz der Passivraucher beschränken...

4 comments:

eMeidi said...

[...] mit dem Charme einer Bankfiliale und den Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung Neuenegg.

Spätestens hier ist klar: Eine Schande, dass Kollege Zgräsch nicht mehr literarischen Output produziert ... We want more!

eMeidi said...

Mein Bruder, exzessiver Raucher, moquiert sich andauernd über die Schikanen, die ihm Politiker in regelmässigen Abständen in den Weg legen.

Ich will hier auch gar nicht abstreiten, dass Alkohol - rein rechnerisch - das deutlich grössere Übel ist (wer säuft, wie du treffend erwähnst, bringt im schlimmsten Fall eben nicht nur sich selbst, sondern auch den unbeteiligten Velofahrer auf der Strasse in den Himmel).

Dennoch: Ob es bei diesem Entscheid primär um die Gesundheit ging, bezweifle ich. Eher handelt es sich um einen Entscheid, das Ambiente des Restaurant-Besuchs nicht mehr durch diesen verteufelswerten Rauch zunichte zu machen.

Wäre die Zigarettenindustrie vor Jahren auf die rauchfreie und geruchslose Zigarette umgestiegen, wäre eine solche Aktion nicht nötig geworden.

Danke, Grosser Rat, dass ich hoffentlich bald vom wohlverdienten Ausgang heimkommen kann und mein T-Shirt am nächsten Tag wieder anziehen kann, ohne es die Nacht hindurch an die frische Luft zu hängen ...

Smythe said...
This post has been removed by a blog administrator.
Smythe said...

Hey, hey, hey! Der Zgraggen kommt in seinem "massiv frequentierten" Blog auf einmal ganz bissig daher! Endlich Schluss mit Sätzen wie: "Obwohl ich ja eigentlich auch kein Befürworter von X bin, muss ich in diesem Fall für einmal Y trotzdem irgendwie auch Recht geben..."!

Mein Senf zum Inhalt:

"Weil es grundsätzlich keinem Politiker um die Gesundheit der Staatsbürger geht, oder sonst um irgendwelchen moralischen Werte, sondern schlicht um Eigeninteresse und Profilierungsdrang."

Tönt ja gut, trifft aber kaum zu. Vor einem Jahr war der Grosse Rat noch knapp gegen ein Rauchverbot. Heute stimmt er bereits mit 83 zu 58 Stimmen dafür. So viel mehr profilierungssüchtige Politiker nach nur einem Jahr? Wohl kaum... Dieser massive Umschwung lässt sich auch nicht durch den (im Grossen Rat relativ geringen) Linksrutsch erklären. Vielmehr handelt es sich beim Krieg gegen das Rauchen (ähnlich wie beim Krieg gegen den Terrorismus) um ein globales Phänomen US-amerikanischen Ursprungs. Im Gegensatz zur "Terrorismusbekämpfung" haben wir uns hier der Koalition der Willigen angeschlossen...

"Der heutige Jugendliche kann sich also mit 5 CHF keine Zigaretten mehr kaufen, doch dafür umgerechnet etwa 5 Liter Bier, wenn er sich geschickt anstellt."

Ok, Bier und Tabak sind beides weit verbreitete legale Drogen. Damit hat es sich dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Dass ein Raucher auf Entzug sein Verlangen nach Tabak mit Alkohol kompensiert ist mir neu. Aber vielleicht gibt es dazu ja eine einschlägige Studie...

"Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung Neuenegg"

Noch treffender wären hier die Öffnungszeiten des Polizeipostens von Neuenegg. For more details: einfach den Ötzel fragen...

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